Wenn die Temperaturen draußen steigen, zieht es immer mehr Menschen ins Freie. Viele treiben Sport. Das war vor 100 Jahren nicht anders.
Georg Müller, ein Orthopäde aus Berlin, erfindet kurz nach der Jahrhundertwende ein neuartiges Turngerät, das unabhängig von Ort und Zeit immer genutzt werden kann: Der Autogymnast. Er ist einfach anzuwenden und der Körper wird ganzheitlich trainiert. „Der Autogymnast besteht aus einem Gurt, welcher um die Taille geschnallt wird. Seitlich ist je ein Ring angebracht, welcher genau an der Hüfte sitzen muss. … Durch den Ring führt ein elastischer Zug, welcher oben in je einem Handgriff, unten in einen Steigbügel endet.“ Fertig angelegt können unterschiedlichste Übungen durchgeführt werden: Arm- und Beinübungen, Übungen im Liegestütz oder in der Rückenlage.
Schon damals wird angeraten, wenn man den ganzen Tag am Schreibtisch verbringt, die Arbeit kurzzeitig zu unterbrechen, um ein paar leichte Übungen durchzuführen. „Jedenfalls ist es notwendig, ohne beengende Kleidung, ohne Korsett, ohne Überrock … zu üben.“ Der Autogymnast ist in verschiedenen Größen erhältlich – welches der passende ist, kann einer Größentabelle entnommen werden.
Hergestellt wird das Gymnastikgerät von der Wilhelm Anhalt GmbH, Ostseebad Kolberg. Der Apotheker stellt seit 1885 Körperpflegeprodukte her (Cremes, Seifen oder Seesand-Mandelkleie) und verkauft sie an die Kurgäste. Noch heute ist die Marke AOK bekannt – ein Akronym für Anhalt Ostseebad Kolberg.
Objekt des Monats Juni 2024
Autogymnast
Das "Grüne Gewölbe" der sächsischen Industriegeschichte








